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Wilhelm Petersen

Ein Gedicht von dem Komponisten Wilhelm Petersen (1890-1957), gefunden in einem alten Buch, geschrieben mit Schreibmaschine

Morgen (nach Jean Paul)

Tritt aus dem Wald!
Da entrollt sich
Weithin das Land
Mit schimmernden Hügelketten,
Mit weissen Häusern, von bunten Gärten gegürtet.
Mit Myriaden Blumen,
Von trunkenen Faltern
Und kleinen Wesen aus Seidenstaub umschwirrt.
Mit schöpfendem Aug
Und saugendem Herzen
Wandle durch perlenfarb betaute Gewebe
Zwischen Farrn, auf golden grünem Moos,
Über singende Hügel
Durch summende Täler hinab
Zur stilleren Bucht im Schatten,
Dort ruhe lang
In lindernder Kühle,
Bis sich im unermesslichen,
Bis Blume, Au und Wald
Im grenzenlosen Blau sich löst
Und alle Farben verfliessen
In weiter dunkler Flut.

Nun schliess das Auge,
Nun schau und lausche innen! -
In endlicher Brust
Atmet
Blühende Unendlichkeit.